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Voigtländer Macro-Dynar 100mm 1:3.5 AF

Gestern ist mein letztes Paket angekommen, und zwar ein gebrauchtes Objektiv vom eher unbekannten Hersteller Voigtländer.

Eigentlich wollte ich mir für mein 18-70mm Nikon Objektiv bei Ebay Zwischenringe kaufen, damit ich (wenn ich Lust habe) wieder Makrofotos machen kann. Der große Vorteil von Zwischenringen gegenüber Nahlinsen (so wie ich sie noch zu D40 Zeiten verwendet hatte) liegt klar in der optischen Qualität, da die Ringe selber keinerlei Glas beherbergen, es wird nur der Abstand Objektiv – Kamerachip vergrößert. Da ich aber (grad in Verbindung mit Zoomobjektiven) wiedersprüchliche Aussagen zu Vorsatzlinsen im Internet gefunden hatte, macht ich mich auf die Suche nach einer bezahlbaren Macro-Scherbe

Durch Manfred bin ich schon vor Monaten auf einige (für mich) unbekannte Namen in der Objektivwelt drauf aufmerksam geworden. Da er von seinen Teilen extrem am schwärmen war, habe ich einfach mal bei Ebay/Internet nach Soligor und Kiron gesucht. Recht schnell bin ich auf den 100mm 3.5 „Joghurtbecher“ von Voigtländer/Soligor/Cosina (alle baugleich) gestossen. Joghurtbecher, weil das Objektiv von der Haptik jenseits von Gut und Böse liegt, die Verarbeitung lässt sehr zu wünschen übrig.
Bei der optischen Leistung jedoch zeigt sich das Voigtländer von einer ganz anderen Seite. Alle Bilder, die ich im Internet fand, zeigten deutlich, welch eine Qualität dieses doch recht günstiges Objektiv abzuliefern vermag.
A pros pros günstig, ich habe mein 100mm für ca 100€ (inkl Versand) gebraucht, in gutem Zustand, ersteigert. In diesem Preissegment gibt es von den namenhaften Herstellern absolut nichts vergleichbares Gebrauchtes.

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Für ein Makroobjektiv ist es natürlich wichtig (weit wichtiger als die Brennweite), das es einen Abbildungsmaßstab von 1:1 ermöglicht, das Objekt also in Originalgröße auf den Chip gebannt werden kann. Dieser Maßstab wird bei dem Voigtländer mittels einer Vorsatzlinse (die aber nur an diesem speziellem Objektiv seine Wirkung entfaltet) erreicht, ohne Vorsatz kommt man auf einen Maßstab von 1:2

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Ohne Vorsatzlinse – Abbildungsmaßstab 1:2

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Mit Vorsatzlinse – Abbildungsmaßstab 1:1

Alle Bilder sind 100% Crops, nur leicht verkleinert, nicht nachgeschärft / entrauscht

Das Voigtländer kann schon als relativ lichtstark (3.5) gelten, wenn man es mit der Brennweite in Relation setzt. Klar, es ist kein 2.8, aber auf jeden Fall besser als so manches Zoomobjektiv. Die Offenblende von 3.5 ermöglicht auch eine gute Freistellung von Personen vom Hintergrund bei der Brennweite, und das wäre dann auch meine zweite Anwendung (sofern ich es für meine Ansprüche als tauglich empfinde), und zwar als Portrait-Festbrennweite.

Zur Verarbeitung : Das Teil kommt schon irgendwie recht klapprig daher, den Namen „Joghurtbecher“ trägt es wohl zu recht. Der Autofocus (kein eigener Motor sondern Stangen-AF von der D200) fokussiert recht langsam (was bei Makroobjektiven aber normal ist) und findet eigentlich immer sein Ziel. Natürlich kann auch (sofern AF bei der D200 deaktiviert ist) auch manuell fokussiert werden.

Das Voigtländer überträgt alle wichtigen Daten zur Kamera, so das auch die Belichtungsmessung einwandfrei funktioniert.

Die Schärfe finde ich bis jetzt schon richtig gut, grade wenn man den Preis im Hinterkopf hat (und den sollte man beim Objektivvergleich nie außen vor lassen), selbst bei Offenblende geht schon einiges

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Das Voigtländer 100mm Macro-Dynar bei Offenbelnde f3.5 – gut zu erkennen der geringe Schärfenbereich

Tip : Bevor das Voigtländer auf die D200 aufgesetzt wird, muß der Blendenring auf kleinste Blende (f22) gestellt werden, da sonst die Kamera die Blendensteuerung nicht übernehmen kann und es zu einer Fehlermeldung kommt.

PS: Die Bilder sind leider etwas verrauscht, da ich erst hinterher gemerkt habe, das die Kamera noch vom Weihnachtsmarktbesuch auf ISO1000 stand. Um die Abbildung aber nicht zu verfälschen, habe ich bei den Fotos auf nachträgliches entrauschen verzichtet.

4 Gedanken zu „Voigtländer Macro-Dynar 100mm 1:3.5 AF

  1. Super, Viel Spass mit dem Objektiv. Voigtländer hat einen sehr guten Namen. Wohl einer der begehrtesten Makroobjektive, das 125er APO Lanthar, gilt als eines der besten Makros überhaupt. Leider sehr schwer zu bekommen. 🙁

  2. Hab Voigtländer noch nie gehört, aber bei so Techniksachen nehm ich lieber ein paar Euro mehr in die Hand und hab was neues. 🙂

    Wünsche Dir trotzdem ganz viel Spaß mit deinem Objektiv und hoffe das es noch lange hält. 🙂

  3. Hi,

    Voigtländer war wie Rollei einer der führenden Foto-Kamera-Hersteller in Deutschland. Dazu gehörten auch noch Contax (Carl Zeiss) und Leica. Das besondere an Rollei und Voigtländer war, dass sie in ca. 5 km. Entfernung in Braunschweig das jeweilige Firmengelände besaßen. Die Qualität der Produkte beider Firmen war außerordentlich, jedoch haben sie im Gegensatz zu den anderen beiden während der Expansion japanischer Foto-Hersteller in den 70er den Anschluß an den Markt verloren. Derzeit sind es nur noch Namensrechte, die für Voigtländer die Firma Cosina erworben hatte. Cosina hat ein recht breites Spektrum an Produkten, die sie aber so gut wie nie unter dem eigenen Namen verkauft. Zuletzt tritt sie verstärkt mit Produkten unter dem Namen Voigtländer auf, wo sie z.B. sehr gute Normalobjektive unter dem Name Nokton für Panasonic (25 mm) und Canon/Nikon/Pentax (50 mm) mit der Lichtstärke 1:0,95 anbietet.

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