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Das eigene Heimstudio – Brainstorming

Jeder Hobbyfotograf kommt über kurz oder lang  mal zu dem Punkt, wo er sich eine wetterunabhängige Möglichkeit wünscht, um Fashion-, People- und Portraitfotos schießen zu können. Und genau an diesem Punkt bin ich jetzt auch.

Der Gedanke schwirrt schon lange in meinem Kopf rum, wobei das Heimstudio in den warmen Monaten mehr in den Hintergrund gerückt war. Mittlerweile ist es aber Ende Januar und das Thema ist aktueller denn je, den letzten Anreiz lieferte Steffen mit seinem Artikel über sein neu eingerichtetes Heimstudio im Keller.

Hier nun mal meine Überlegungen. Das Fotostudio / Heimstudio sollte….

  1. zerlegbar sein
    – da ich keinen Keller oder leeren Raum habe, wird es nur bei Benutzung im Wohnzimmer aufgebaut. Bei Nichtbenutzung sollte es so wenig Stauraum wie möglich wegnehmen
  2. transportabel / mobil sein
    – denn warum nicht mal bei einem Bekannten in der Wohnung fotografieren?
  3. in der Höhe verstellbar sein
    – denn nicht jeder Raum hat die gleiche Deckenhöhe und eine größtmögliche Hintergrundhöhe sollte nutzbar sein (gibt ja auch große Menschen)
  4. groß genug für Ganzkörperaufnahmen
    – der Fotohintergrund muss also lang genug sein (3-4 Meter)
  5. groß genug für auf dem Boden quer liegende Models
    – der Fotohintergrund muss also mindestens 2, besser 3 Meter breit sein
  6. preislich überschaubar sein
    – es muss ein optimaler Kompromiss aus Preis und Leistung gefunden werden
  7. universal einsetzbar sein
    – ein Fotostudio für alle Gelegenheiten, daher kein greller Fotohintergrund etc.

Wenn ich die Beleuchtung einmal außen vorlasse (mittlerweile habe ich ja schon einiges an Kompaktblitzen und Lichtformern „auf Halde“ liegen), bleiben die zwei Faktoren Hintergrund und Hintergrundhalter. Und genau hier habe ich mir diverse Gedanken gemacht, um das Optimum für mich zu finden.

Fotohintergrund : Für den Hintergrund bieten sich diverse Möglichkeiten an

  1. Molton Stoff – der Klassiker. Faltbar, robust, waschbar. Nachteil : Evtl. Faltenbildung, wenn sich das Model auf dem Stoff bewegt. Ferner bleiben schnell (z.B. bei längerer Lagerung) sichtbare Falten stehen, die vor dem Shooting mittels Bügeleinsen ausgemerzt werden müssen, keine Reflektionen auf der Oberfläche, bis 4 Meter Breite erhältlich
  2. Samt – ähnlich dem Moltonstoff, aber durch die Beschaffenheit der Oberfläche kann es zu (unerwünschten) Lichtreflexen kommen. Auf der anderen Seite kann diese Eigenart auch gezielt in den Bildaufbau mit eingebaut werden
  3. Hintergrundkarton – wird auf Rolle geliefert, Breite 1,4  ,2m und 2,7m – Länge um 11m (auf Papprolle aufgerollt). Vorteile hier, die Pappe schlägt keine Wellen und liegt immer Plan. Nachteile : kann nicht gereinigt werden (das dreckige Stück wird einfach ähnlich Küchenpapier abgerissen). Durch die Aufbewahrung auf einer Papprolle kann der Hintergrundkarton nicht gefaltet werden. Wenn doch Falten/Knicke entstehen, lassen sich diese auch nicht mittels Bügeleisen entfernen
  4. Teppich – Gibt es in jedem Baumarkt in den unterschiedlichsten Farben, meist aber meliert (kann bei ungünstiger Blendenwahl zu extrem unruhigem Hintergrund führen). Knicke sind bei richtiger Lagerung kein Problem, den m² Teppich gibt es in einfacher Ausführung (Rips) schon für unter 2€ und die Reinigung ist auch möglich, aber so eine 3x4m Teppichrolle ist alles andere als transportabel (falten ist nicht da es Knicke erzeugt) und das Gewicht ist ein absolutes KO Kriterium wenn es um Mobilität geht. Einen anschaulichen Artikel von Calvin Hollywood über den Einsatz und die Vorteile von grauem Teppich als Hintergrund kann man sich HIER durchlesen.
  5. Falthintergrund – aufgebaut in Rekordzeit (Aufmachen – plopp – fertig), mobiler geht es nicht (zusammengefaltet nur 70cm im Durchmesser) aber mit Hohlkehle (ohne eignet sich nicht für Ganzkörperaufnahmen) viel zu teuer (ca 130€). Abmaße für Ganzkörperaufnahmen schon fast zu klein (1,40m x 2,00m). Eher für reine Portraitsessions geeignet (dann ohne Hohlkehle für rund 60€), in der Regel zweifarbig ausgelegt (z.B. eine Seite schwarz, die andere weiß)

Bei der Farbe kommen momentan nur schwarz, weiß oder grau in Frage, denn der Hintergrund muß am Anfang so neutral wie möglich sein. Momentan tendiere ich zu weiß, denn mit etwas Abstand zwischen Model und Hintergrund kann man so auch ein grau „erzeugen“. Ferner bietet der weiße Hintergrund beste Vorraussetzungen für evtl. Stockfotografie.

Hintergundhalter :

  1. Hintergrundhalter (mobile Ausführung) aus dem Fotozubehör – Sicherlich die simpelste Variante, aber zu unverschämt hohen Preisen. Keine Option für mich.
  2. Eine Gardinenstange samt Halter an der Wand – würde voll und ganz seinen Zweck erfüllen, aber die Mobilität geht mit so einer Installation gegen Null (und die wenigsten Bekannten wollen, das man vor dem Fotoshooting erstmal ne Gardinenstange bei denen an die gute Stubenwand dübelt). Keine Montage mitten im Raum möglich, da eine Wand benötigt wird.
  3. Ein Mikrofonständer, der eine Querstange aus Alu hält (getragen durch die Klemme, die sonst das Mikro hält)-  Die Idee fand ich im Blog von Hannes. Sehr pfiffig, hoch transportabel und preislich mehr als attraktiv. Die Frage ist nur, wie sich die Querstange verhält, wenn die Breite 2m, oder sogar 3m und mehr beträgt. Alternativ könnte man anstatt des Mikrofonständers (der ja ausgefahren nur ca 2m hoch ist) ein Lichtstativ nehmen (meines geht bis 3,20m) – es fehlt nur ein Adapter (Eigenbau), der dann die Stange hält. Aber auch hier bleibt die Frage, wie sich die Querstange bei 2-3m Breite verhält, grad wenn sich auf dem Stoff Kinder austoben. Hintergrundkarton wird aufgrund des Gewichtes definitv nicht funktionieren, da er ja von einer Papprolle kommt. Kosten für ein Lichtstativ ca. 35€ / Mikrofonständer ca. 15€.
  4. Zwei Lichtstative – immer noch hochgradig transportabel, aber deutlich stabiler. Hintergrundkarton von Rolle kann problemlos eingesetzt werden. Der Nachteil liegt auf der Hand : der Anschaffungspreis verdoppelt sich gegenüber Punkt 3.  Die Standfestigkeit von Lichtstativen ist ok, man darf aber nicht vergessen das der Fuß Platz wegnimmt, der im schlechtesten Fall die maximale Breite des Hintergrundes einschränkt
  5. Teleskop Baustützen – auch eine pfiffige Idee, die ich schon vor knapp 1,5 Jahren bei Dirk Henning gesehen habe (damals informierte ich mich aber in erster Linie wg. Baustrahlern als Dauerlichtalternative). Die Baustützen gibt es in jedem Baumarkt (bis ca. 3m Höhe erhältlich) für rund 20€/Stück und werden zwischen Fußboden und Decke montiert/geklemmt. Richtig aufgebaut sitzen die Teile bombenfest und kein dreibeiniger Fuß wie beim Lichtstativ begrenzt die Hintergrundbreite. Zusammengesteckt (da Teleskopprinzip) bauen sie in der Höhe recht kompakt und verschwinden leicht in jeder kleinen Nische. Aber auch die Baustützen haben einen entscheidenden Nachteil, denn Fußboden und Decke müssen Massiv sein. Besteht die Decke z.B. aus Styroporplatten kann man den Aufbau vergessen, da die Baustützen mit Sicherheit Abdrücke im Styropor hinterlassen werden. Und sollte die Decke doch einmal höher als die maximale Höhe der Stützen sein, ist es auch Essig mit dem Aufbau.
  6. PVC Leerrohre aus dem Elektroinstallationsbedarf – Gibt es in jedem Baumarkt, kosten wenig (25mm Durchmesser, 2m Länge ca 1,40€) und sollten stabil genug sein. Passend dazu gibt es Muffen und 90° Bögen. Eine kleine Herrausvorderung ist hier die Adaption an einen Fuß (z.B. ein Kreuz aus Holzlatten). Meine Idee hier wäre ein im Durchmesser passendes Rundholz, welches mit dem Holzkreuz verschraubt ist. Da die PVC Rohre leer sind, können sie dann auf das aufrecht stehende Rundholz gesteckt werden.
  7. In die gleiche Kerbe wie die Elektroleerrohre schlagen auch die Kunstoff-Rohre, welche in der Abflußtechnik benutzt werden, es sollte der kleinst erhältliche Durchmesser gewählt werden (DN40 = 40mm Durchmesser). Wie in einem Baukastensystem lässt sich der gewünschte Rahmen nach Gusto zusammenstellen und Preislich sollte der Spaß nicht mehr als 30€ (kompletter Rahmen) kosten. Auch hier bieten sich Holzkreuze als Füße an. Nachteil hier ist die etwas grobschlächtige Optik, einige werden sich sogar an Abwasser erinnert fühlen 😉 .

So, das war erstmal mein persönliches Brainstorming zum Thema Heimstudio – Hintergrund und Hintergrundhalter. Die nächte Zeit werde ich genau für mich abwägen, wie ich vorgehen werde und welche Komponenten auf den Einkaufszettel kommen.

Nachtrag Dez. 2010  : Mittlerweile habe ich mir ein transportables Hintergrundsystem* gekauft, da es einfach die beste Lösung aus Mobilität und Stabilität aufweist. Sicherlich auf den ersten Blick etwas teuerer als eine DIY Bastellösung, aber von längerer Lebensdauer und es wirkt bei einem Kunden auch einfach professioneller (was nicht immer unwichtig ist).

* Affiliate-Link (Ich bekomme bei Kauf eine kleine Provision, ihr zahlt nicht mehr)

11 Gedanken zu „Das eigene Heimstudio – Brainstorming

    • Hallo Marco, habe gleich mal geschaut. Eine klasse Idee mit den Teleskopstangen, war heute auch im Baumarkt, habe aber selber nur welche gefunden, die ausgefahren grad mal zwei Meter lang sind. Für stehende, größere Personen eindeutig zu kurz, da fehlen locker 20cm

    • Hallo Carsten,
      Ich denke jeder, der Menschen fotografiert, kommt irgendwann an den Punkt, wo er sich ein (mehr oder weniger umfangreich ausgestattetes) Heimstudio wünscht. Da gibt es dann eigentlich nur eine logische Konsequenz… 😉 Ich werde wohl erstmal mit weißem Molton anfangen, der schwarze wird dann später folgen.

  1. Hi Daniel,

    bei mir waren das _keine_ Teleskopstangen, nö viel einfacher. 🙂

    Ausziehbahre Stiele für Teich köcher. Die pluss Fuß und Winkelstück für die Querstangen gehen bis unter die Decke eines 08/15 Hauses. Bei Altbauten oder anderen Gebäuden mit hohen Decken vermutlich nicht, aber hoch genug für Baseball-spieler ist es auf jeden Fall. 🙂

    Die Querrohre (PVC) sind „Aufputz Stangenrohr Elektroinstallationsrohr“ die sind echt Günstig. Da war ich auch am überlegen ob ich die auch für die „Seiten“ nehme. Aber die Stiehle für die Köcher waren gerade hinterm Eingang, Also bin ich quasi drüber gestolpert.

    Viel Spass beim Suchen,

    • Na dann ist ja ok. Ich dachte, das es diese Teleskop-Stangen für den Malerbedarf etc sind. Habe heute mal nach den Stangen für Teichzubehör geschaut, hatten auch welche bis 3,80(!)m ausziehbar, aber viel zu teuer. Es muss ja auch nicht so hoch sein, ich denke so an 2,50m, da sollte fast jeder in kompl. Größe fotografierbar sein, ohne das was vom Gestänge mit drauf kommt. Die PVC Rohre sind auch eine interessante Alternative, keine Frage. Es bleibt spannend 😉

  2. Hallo Daniel,

    nur so als kleiner Tipp:
    Die Mikrofonklemmen gibts auch einzeln zu kaufen, die haben dann unten drunter ein Gewinde. D.h. du könntest es auch auf ein beliebiges Gegenstück drehen. Falls du dich gegen die Variante Mikrofonständer entscheiden solltest, weil dir die zu wackelig sind.

    Gruß
    Carsten

    • Hallo Carsten,

      danke für den Tip. Das Problem mit der Stabilität sehr ich aber mehr darin, das es nur ein Aufhängepunkt ist als das es sich um einen Mikrofonständer handelt. Mit zwei Mikrofonständern würde es (soweit mein Empfinden) deutlich stabiler werden.

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