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Test : Canon EF 35mm 1:2,0

Heute möchte ich nach dem Test über das Canon EF 50mm 1:1.8 II eine weitere Festbrennweite am Rande des Weitwinkels aus dem Hause Canon vorstellen.

Das Canon EF 35mm 1:2.0* kostet ca. 270€ und ist dank EF Bajonett (auch erkennbar am roten Punkt) 100% Vollformat kompatibel. Wie bei den Canon nicht-L Linsen üblich, muss die Streulichtblende* (auch gern Gegenlichtblende oder Geli genannt) extra geordert werden.

Technische Daten Canon EF 35mm 1:2,0

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Das Objektiv hat eine feste Brennweite von 35mm und fällt daher in die Kategorie „gemäßigtes Weitwinkel“. Für viele alte „Analog-Hasen“ gelten die 35mm am Kleinbild als die Reportagebrennweite schlechthin – Man bekommt viel von seinem Umfeld auf den Sensor, Menschen und andere Gegenstände werden aber nicht wirklich verzerrt und dadurch evtl. unvorteilhaft auf den Sensor gebannt. Das Objektiv ist wie oben bereits erwähnt Vollformat tauglich, an einer Canon Crop-Kamera (Cropfaktor von 1,6 wie EOS 40D, 50D, 60D sowie 350D, 400D, 450D, 500D, 550D …) verhält sich die Festbrennweite vom Bildausschnitt her wie ein 56mm Objektiv und ergibt so das „50er“ für jede Cropkamera

Die Lichtstärke könnte besser sein, Nikon zeigt in der gleichen Preisklasse (aber leider nur für DX Kameras) mit dem AF-S 35mm 1:1,8 G ,das so etwas möglich (und vor allem mit Ultraschallmotor für den Autofokus).
Der Canon Linse muss man aber zugute halten, das das Design schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, das Pendant aus dem Hause Nikon ist noch sehr jung (2 Jahre). Eine lichtstärkere (1:1,4) Version des 35mm hat Canon ebenfalls im Programm, dann allerdings als L-Version für den knapp 5fachen Preis.
Portraits sind mit der Linse sehr gut möglich, dank der großen Offenblende lassen sich diese super freistellen.

Ein weiterer Vorteil der Brennweite ist die geringe Distanz zum Objekt, um bei Offenblende durchgehend alles scharf abbilden zu können. Bei  21m Abstand Kamera/Objektiv (an Vollformat) habe ich bei Blende 2 alles ab ca 12m Entfernung scharf (Bei einem 50mm Objektiv müsste ich dazu mindestens 42 Meter vom anvisierten Objekt entfernt stehen, damit ab ca 22m Abstand alles Scharf ist)

Der Autofokus-Motor ( Mikromotor) arbeitet für einen Nicht-USM Motor in einer akzeptablen Geschwindigkeit, eine manuelle Fokussierung ist ebenfalls möglich (Schalter MF/AF am Objektiv). Der Motor ist hörbar aber lange nicht so schlimm wie beim Canon EF 50mm 1:1,8 II . Die Lautstärke des 35mm bewegt sich bei bestimmten Situationen (z.B. Trauzeremonie in einer Kirche) an der Grenze (einfach auf den Gesichtsausdruck des Pastors/Pfarrers achten 😉 )

Die Naheinstellgrenze von 25cm ist schon gering, man kann förmlich in die zu fotografierenden Objekte „reinkriechen“ – ob die das aber wollen, steht woanders 😉

Das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 52mm, der Tubus dreht beim Fokussieren nicht, das Objektiv eignet sich dadurch für zirkulare Polfilter.

Das EF 35mm 1:2.0* ist klein + kompakt (Durchmesser 68mm Länge 43mm) , leicht (ca. 210 Gramm) und besitzt ein Metallbajonett. Ein kleines Sichtfenster gibt Aufschluss über die aktuelle Entfernung zum Objekt.

Das Objektiv besitzt 5 Blendenlamellen

Haptik Canon EF 35mm 1:2,0

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Das Objektiv wird nicht hochwertig, vermittelt auf der anderen Seite aber nicht den Eindruck das es ein Spielzeug / Schrott ist. Auf jeden Fall mutet es hochwertiger an als die 50mm „Plastikscherbe“ aus gleichem Hause.
Das Metallbajonett vermittelt eine solide Verbindung zur Kamera, bei meinem Modell wackelt nichts oder hat Spiel. Der manuelle Fokus könnte für mein Empfinden etwas schwergängiger sein, er lässt sich zu leicht drehen.

Optische Leistung Canon EF 35mm 1:2.0

Die optische Leistung der Linse ist meines Erachtens mehr als zufriedenstellend.

Mein Model ist bereits bei Offenblende recht scharf, ab Blende 2,8 ist es richtig scharf. Die Ecken liegen bei Offenblende  in Sachen Schärfe klar hinter dem EF 35mm 1.4L USM*  aber bei einem Preisunterschied von rd. 1000€ geht das in Ordnung. Bei Blende 5.6 bekommt man ein bis in die Ecken durchgängig scharfes Bild.

Verzerrung : Bei meinem Anwendungsgebiet (People-, Hochzeits-, Tierfotografie…) vernachlässigbar. Aber auch hier kann natürlich problemlos digital am PC entzerrt und korrigiert werden (z.B. PTLens).

Vignettierung : Klar, gibt es an Vollformat und ist bei Offenblende und entsprechenden Motiv sehr deutlich sichtbar (bei Offenblende hin ca 2 Blenden, ein echter Schwachpunkt dieser Linse). Ich finde aber grad in Verbindung mit der Peoplefotografie willkommen und unterstützt meine Bildsprache.
Wem die Vignette nicht gefällt : eine elektronische Korrektur ist aber problemlos möglich, ansonsten hilft abblenden.
Vignettierung an einer Crop DSLR ist trotz dem kleineren Sensor bei Offenblende deutlich sichtbar.

Chromatische Aberration : Die Farbsäume an kontraststarken Kanten sind bei dieser Linse vernachlässigbar.

Bokeh : Geschmackssache. Ich finde, das das Bokeh für die Preisklasse in Ordnung geht. Es wirkt leicht unruhig und ist lange nicht so smooth wie das 35mm 1.4L. Bei leichtem Abblenden werden verschwommene Lichtpunkte im Hintergrund fünfeckig, schaut net so prall aus.

Kontraste und Farben : Sind ebenfalls gut, wenn aber nicht auf dem Niveau von L Objektiven (wen wundert das schon?).

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Praktische Erfahrungen mit dem Canon EF 35mm 1:2,0

Ich arbeite gerne mit dem 35mm, liefert  es mir doch einen recht weiten Bereich den ich ablichten kann.  In kleinen Räumen (Standesamt) spielt die Linse am Vollformat voll ihren Vorteil aus, 35mm sind in den wenigstem Fällen zu lang. Ich denke mal die Brennweite stellt den optimalen Kompromiss aus Weitwinkel und Verzeichnung (grad bei Personenfotografie) dar.

In Verbindung mit dem EF 85mm 1:1,8 USM sehe ich hier (für Vollformat) das ideale Festbrennweitenpärchen für (fast) alle Gelegenheiten und Situationen.

Canon EF 35mm 1:2,0  – für wen geeignet?

Wie auch beim EF 50mm 1:1,8 II ist das EF 35mm 1:2.0* kein Jubelgrund für Haptikfanatiker. Es ist eine (dem Kaufpreis entsprechend) verarbeitete Festbrennweite, die zuverlässig und auf optisch guten Niveau ihren Dienst verrichtet.
Alternativen gibt es in soweit keine, wehr mehr will (Lichtstärke, Ultraschallmotor, optische Qualität) muss 1300€ für das EF 35mm 1:1,4L USM* ausgeben.
Wer allerdings auf sein Geld achtet und noch eine gute Festbrennweite für untenrum sucht, kann hier bedenkenlos zuschlagen.

Mein Fazit zum Canon EF 35mm 1:2,0

Wer mit den Nachteilen (AF Geräusch, Vignettierung, Bokeh) leben kann und für seine Vollformat ne Reportagelinse (oder am Crop eine 50mm Cropalternative ) sucht,  sollte zuschlagen. Alternativen (außer dem 1000€ teureren 35mm L) gibt es von Canon keine. Kombiniert mit einem kleinen Body (ich hatte z.B. die 35mm Nikon Variante in ungefährer gleicher Baugröße auf einer D40) auch eine ideale Reportagekombi, die so gut wie gar nicht auffällt.

PS : Du vermisst Testfotos, die mit dieser Linse gemacht wurden? Warum ich in solchen Fotos nicht viel Sinn sehe, habe ich hier geschrieben.

* Affiliate-Link (Ich bekomme bei Kauf eine kleine Provision, ihr zahlt nicht mehr)

15 Gedanken zu „Test : Canon EF 35mm 1:2,0

  1. Pingback: Test / Review : Canon EF 35mm 1:2,0 | sag-cheese.de

  2. Schöner Test, vielen Dank!
    Besitze selber das 50mm 1.8. Das liefert tolle Ergebnisse, ist an einer Crop-Kamera manchmal aber einfach schon zu lang.
    Da ich also selber nach etwas weitwinkligerem gesucht habe, kam mir Dein Test sehr gelegen.
    Was mich nun noch vom Kauf abhält, ist der Preis. Das 35mm scheint in der gleichen Liga wie das 50mm zu spielen, warum ist es dann 2,5 mal so teuer?
    Sind 35mm so viel schwieriger zu konstruieren wie 50mm? Wenn man von 100€ für das 50mm ausgeht, sind in Deinen Augen dann 250€ für 35mm gerechtfertigt?

    • Ja, das glaube ich, das das 50mm am Crop zu lang ist (umgerechnet 80mm) – da ist das 35mm eine ideale Wahl.
      Ob der Preis gerechtfertigt ist? Gute Frage, ich sage JA. Klar, das 50er 1.8 kostet nen Hunderter ABER das 35mm ist von der Haptik her DEUTLICH besser als das kleine 50er (ich würde sagen sogar fast auf EF 50mm 1.4 USM Niveau) und auch der AF, obwohl kein USM, deutlich leiser als mein 50mm 1.8 – von daher lohnt der Aufpreis schon.
      Von der optischen Leistung spielen beide (wie auch das 50mm 1.4 USM) auf Augenhöhe, aber Canon (und auch andere Hersteller) bieten leider keine Alternative unter dem Preis des 35mm f2.0
      Zusammengefasst: Wenn die Brennweite für dich interessant ist, gib das Geld ruhig aus. Dank Fernabsatzgesetz (sofern du über das Internet bestellst) gehst du kein Risiko ein, bei Missgefallen geht es einfach zurück – aber ich bin mir sicher, das du die Linse behalten wirst 😉

      • Danke für Deine Einschätzung!
        Die Bildqualität (auch des 50er) steht ja außer Frage. Und wenn Du sagst, dass die Haptik und der AF den Mehrpreis rechtfertigen, glaub ich das erstmal 🙂
        Aber vielleicht ist gerade auch der Mangel an Alternativen ein bisschen der Grund für den Preis.

    • Das Sigma 28mm 1.8 soll auch gut sein, aber Sigma ist auch immer so ein Problem mit dem AF (glaubt man dem Internet) – ich bin mit der 35mm f2 zufrieden (am Vollformat) 🙂

      • Hmm, 28mm sind – gerade am Crop – vielleicht doch eine Alternative!
        Muss ich mir beide mal genauer anschauen.

      • Hm, würd trotzdem gerne welche sehen…
        Vielleicht hättest Du ja die Güte, und würdest mir zwei – drei Bilder schicken?
        Oder paar RAWs auf den Server stellen?

        Gibt bestimmt paar Interessenten?!

      • Hm…Da muss ich mal schauen – das 35mm war bis jetzt meine Reportagelinse, also für Familienfeiern und Weihnachtsfeiern (Arbeit) – diese Fotos sind aber alle privat. Ich schau mal was ich finde, ich habe ein paar Katzenfotos gemacht, sind dann aber auch Crops
        Ansonsten eine sehr gute Referenz für das 35mm f2 von Canon (aber mit viel EBV) : http://day.fotowusel.de/tag/35mm/

    • Was willst du aus den Bildern MEINER Linse ableiten? Ob die, die du ggf kaufst, genau so gut/schlecht ist?
      Ansonsten schau mal hier : http://www.flickr.com/groups/canon_ef_35mm_f2/
      Da gibs Tonnen von Fotos mit der Linse, auch an den unterschiedlichsten Kameras. Und genau diese Fotos unterstreichen meine These sehr gut, von grottenschlecht bis absolut top ist alles dabei – daher meine Meinung, das Testfotos nicht so viel Sinn machen 😉

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