Daniel goes Video (3) – Aller guten Dinge sind drei oder die Suche nach einem guten Schwebestativ

Manche Dinge brauchen länger. Sehr lange. Zum Beispiel das richtige Schwebestativ (oder auch SteadyCam genannt) finden. In diesem Artikel möchte ich kurz von meiner kleinen Reise zu meinem ganz persönlichen Favoriten in Sachen SteadyCam erzählen.

Daniel goes Video ist eine kleine Artikelreihe hier im Blog und beschreibt meinen Einstieg in die Welt der Videografie mit Canon DSLR Kameras, wobei es keinen festen Termine für weitere Teile gibt. Lerne ich dazu / entdecke ich was interessantes, kommt auch ein weiterer Teil. Alle Teile dieser Serie findest du HIER

Mantona Schwebestativ

Am Anfang wollte ich eigentlich nur meinen GoPro-China-Clon (SJ4000) stabilisieren, so das ich mir bei Amazon das Mantona Schwebestativ für ActionCams bestellt habe.
Die Verpackung sah gut aus und auch die Verarbeitung wusste zu überzeugen (erstaunlich hochwertig für den Preis). Gewundert habe ich mich etwas über den Kugelkopf, der die Kamera von der Hand entkoppeln soll, denn wirklich frei dreht sich das Teil in seiner Schale nicht – liegt aber wohl auch daran, das er leider vor dem Einpressen lackiert wurde (Der Sinn erschließt sich mir nicht).

Ok, also die ActionCam montiert und dann versucht auszutarieren. Leider gibt es nicht viele Möglichkeiten, das System auszurichten. Neben 3 Gewichten kann man die Kamera sowie das Kontergewicht in einem Langloch vor und zurück schieben bis es passt.

Während die Tarierung der SJ4000 relativ gut gelang, war die Nutzung mit der Nikon S9500 zum Scheitern verurteilt, da diese Kamera die Gewindebuchse für die Stativaufnahme ganz außen hat und eine Tarierung zur Seite das Mantona nicht zulässt.

Im Einsatz konnte mich das Mini Schwebestativ überhaupt nicht überzeugen, zum einen ist die Reibung im Kugelkopf für eine freie und smoothe Bewegung einfach zu hoch, zum anderen dreht sich dadurch die Kamera bei Bewegungen gerne nach links oder rechts weg. Die Stabilisierung selber war auch nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Bewegt man sich sehr langsam ist eine gewisse Stabilisierung wahrnehmbar, wenn die Bewegungen schneller werden schwingt die Kamera dann leider lustig mit und dreht sich um sich selber.

Das muss doch besser gehen ?!? Und wenn schon ein anderes Schwebestativ kommt, dann auch eines das problemlos meine Canon Gehäuse tragen kann.

Tarion Schwebestativ 40cm

Die Frage war nun, welches Schwebestativ als nächstes kommen sollte…. Auf YouTube entdeckte ich ein Video von Felix, in dem er ein günstiges Modell mit überzeugender Performance vorstellt :

Genau so stelle ich mir das auch vor, also das Tarion OS03567 in der 40cm Ausführung (Alulegierung) bestellt.

Das Stativ überzeugt auf Anhieb mit toller Verarbeitung, eine kleine Tragetasche rundet den Lieferumfang ab. Die beigelegte CD mit dem Anleitungsvideo kann man getrost gleich wieder weglegen, der Felix erklärt die Inbetriebnahme / Tarierung deutlich besser.

Laut Hersteller bzw. Amazon Artikelinformation kann das Stativ bereits in der 40cm Version Kameras mit bis zu 2kg tragen/tarieren, also ich dann die 6D mit dem 16-35L (ca 1,4kg) montiert. Und schon wurde das erste Problem sichtbar – dem Stativ liegen einfach zu wenig Gewichte bei (4 Scheiben á 102 Gramm), selbst mit nach unten ausgefahren Arm war eine ordentliche Tarierung nicht möglich, wo aber auch das schlechte Gelenk des Griffes (siehe weiter unten) auch Einfluss hatte.
Gut, Gewichtsscheiben aus Alu kann ich problemlos drehen lassen, notfalls gehen ja auch große Unterleg-Scheiben aus dem Baumarkt. Weiter gehts….

Auch nicht gut : Wenn der Arm ganz nach unten ausgefahren ist, hält das Konter-Gewicht nur noch an der Plastikverbindung/Schnellspanner großes Rohr/kleines Rohr was keinen soliden Eindruck hinterlässt. Hier wäre als Material Alu doch die klar bessere Wahl gewesen.

Das nächste Problem zeigte sich am Gimbal (so nennt man auch das Kreuzgelenk). Während der Griff dank Kugellager schön leichtgängig an der Haltestange sitzt, ist der Griff selber nur mit einer Schraube am Gelenk befestigt – Pendelbewegungen durch die Hand werden durch die zu hohe Friktion auf die Kamera übertragen. Meines Erachtens hätte auch hier ein Kugellager zum Einsatz kommen können.

Und noch ein Nachteil zeigte sich bei der Belastung mit der 6D + 16-35L : Der Handgriff (bzw die Gummihülle auf dem Alurohr) fing durch das Gewicht an, nach oben zu wandern – nicht gut! Sicherlich würde hier Sekundenkleber helfen, aber da es sich immer mehr abzeichnete, das ich das Teil wieder zurückschicke, werde ich nen Teufel tun und da selber rumfummeln.

Als zweites Setup habe ich das Tarion mit einer Olympus PEN E-PM2 + Kit Objektiv getestet und dieses Mal ließ sich die Konstruktion auch mit den beigefügten Gewichten (pro Seite 102 Gramm, ganz außen platziert) austarieren, was aber echt viel Zeit in Anspruch nahm (wahrscheinlich fehlt mir da noch die Übung).

Der anschließende Test brachte auch wieder Ernüchterung, denn hier rächt sich die Schraubverbindung am Handgriff, die Friktion ist zu groß und Bewegungen, welche eigentlich der Drehpunkt rausnehmen sollte, werden durch die hohe Reibung auf die Kamera übertragen. Der SteadyCam Effekt war aber bei der Sichtung des gedrehten Test-Videomaterials deutlich erkennbar – die Richtung stimmt, nur das Ziel ist noch nicht in Sicht.

In der Summe aller Vor- und Nachteile und in Hinblick auf die unzureichende Unterstützung meiner Canon Gehäuse (vom Gewicht her) war also auch das Tarion für mich durchgefallen. Schaut man sich die Rezensionen auf Amazon an gibt es neben vielen zufriedenen Nutzern auch viele 1-2 Sterne Rezensionen, die sich mit meinen Erfahrungen decken. Zu große Serienstreuung? Die Stabilisierung in Felix´ Video funktioniert auf jeden Fall hervorragend – evtl hab ich ein Montagsmodell erwischt.

Die Suche nach Mr. (oder Mrs.?) Right

Wie sollte es jetzt weiter gehen? Die 60cm Version von Tarion ordern und ggf mit den gleichen Problemen konfrontiert werden? Oder doch einen anderen Hersteller ausprobieren?

Hm… Hm… Hm…

Steadydrive Smoother 3000HD MK III Compound Slide

Und wie einmal – wie schon so oft – das Internet befragen, was der Consumer-Markt noch so an bezahlbarer Auswahl zu bieten hat…

Über Google / eBay / Amazon bin ich immer wieder auf die Firma Steadydrive und deren SteadyCams gestossen. Die Produkte schauen auf den Fotos grundsolide aus, sind Made in Germany und der Aufpreis zum Tarion ist je nach Modell mehr als überschaubar, dazu kommt eine für meine DSLR Gehäuse passende Belastung.

Im Shop von Steadydrive war ich etwas erschlagen von der Produktvielfalt und die Unterschiede der angebotenen SteadyCam Versionen waren für mich nicht immer erkennbar (Edit : Es gibt eine Übersicht im Shop, ich war nur zu doof sie zu finden). Nach etwas YouTube-Recherche habe ich mich dann für das Modell Smoother 3000HD MK3 Compound Slide (Version mit Kreuzschlitten) entschieden.

Als ich zwei Tage später das Paket öffnete war schaute ich nicht schlecht, denn anstatt eines zusammengebauten Schwebestativs fand ich einen Bausatz vor.
Ikea für Videofilmer? Der Vergleich drängt sich spätestens dann auf, wenn man die Imbus-Schlüssel (8 verschiedene Größen) nebst Maulschlüssel im Paket findet. Wer ordentliches Werkzeug zu Hause liegen hat sollte dieses vorziehen, der Smoother lässt sich aber auch problemlos mit dem mitgelieferten Werkzeugen zusammenbauen.

Achja, der Zusammenbau… Am Anfang konnte ich nicht jedes Teil sofort seinem Platz zuordnen und eine bebilderte Anleitung lag dem Paket auch nicht bei, wohl aber ein Zettel mit einer Tarierungs-Anleitung sowie ein Hinweis auf den YouTube Kanal von Steadydrive. Fix hingesurft und siehe da, gleich das passende Video für den Zusammenbau + Tarierung gefunden :

Nun war alles klar und der Zusammenbau gestaltete sich recht einfach. Sicherlich dauert der Zusammenbau durch die vielen Einzelteile länger als bei einem Komplettsystem wie zB dem Tarion, ABER dafür trägt man auch nur das Gewicht mit, welches für die Funktion wirklich benötigt wird. Und das die Gewichtsersparnis ganz oben stand bei der Entwicklung des Smoothers, merkt man schon überall :

  • Die Mittelstangen sind nicht aus Alu oder gar Stahl sind, sondern auch hochfestem, aber sehr leichten Kunststoff.
  • Das Hauptlager ist nicht aus Stahl, sondern ebenfalls aus hochfestem Kunststoff mit Glaskugeln.

Kugellager – gutes Stichwort. Endlich ist der Gimbal so gelagert, wie ich mir das vorstelle. Also es findet sich nicht nur direkt an der Tarierungsstange ein Kugellager, sondern auch am Übergang Handgriff – Gimbal ,da wo das Tarion patzte. Und siehe da, das Stativ bewegt sich auf allen Achsen extremst reibungsarm / smooth in alle Richtungen.

So variabel das Schwebestativ von Steadydrive auch ist, die ganze Flexibilität hat einen Nachteil : Sofern man nicht die „alles was geht“ Variante baut, liegen immer Teile rum und einen kleinen Beutel oder ähnliches hat der Hersteller für die Aufbewahrung nicht benötigter Teile leider nicht beigelegt. Kleiner Tip hier : ein verstärkte Gefrierbeutel mit Zipper hält alles zusammen und ist auch stabil genug.

Was ich auf jeden Fall noch nachkaufen werde (hätte ich auch gleich mitbestellen können, narf!) ist eine Tragehilfe, eine sogenannte Arm Brace, welche den Arm bzw das Handgelenk bei längeren Einsätzen merklich entlastet.

Tip : Für Sparfüchse bietet Steadydrive auch B-Ware an, also leichte optische Mängel zB in der Pulverbeschichtung, aber technisch einwandfrei.

Was ich bei Steadydrive sehr cool finde (neben dem echt schnellen Support per Email oder Facebook) sind die ganzen Umbau- und Nachrüstkits, so dass man sein Schwebestativ mit der Zeit funktional erweitern kann. Und sollte mal ein Teil abhanden kommen (oder kaputt gehen) ist es beruhigend zu wissen, das man Einzelteile auch nachkaufen kann. So sieht vorbildlicher Produktsupport aus!

Ich für meinen Teil habe DAS Schwebestativ für meine Ausrüstung gefunden und ich kann das Steadydrive voll empfehlen!

Ein Gedanke zu “Daniel goes Video (3) – Aller guten Dinge sind drei oder die Suche nach einem guten Schwebestativ

  1. Pingback: Review : DJI Ronin M Gimbal | blog.sag-cheese.de

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