DIY Schienensystem für einen Kamerawagen

Ja, ich weiß – es ist sehr ruhig hier geworden im Blog. Das hat mehrere Gründe, aber ich bin in den letzten Wochen/Monaten nicht untätig gewesen und habe das Thema „Videographie“ mit der DSLR / Systemkamera /ActionCam generell für mich entdeckt.

Am Anfang stand der Wunsch, „coole“ Videos über coole Autos zu produzieren, so wie man sie zuhauf im Internet findet. Nachdem ich mir zu meinen DSLRs noch etwas „Kram“ gekauft habe (unter anderem eine günstige Actioncam, dazu aber in einem kommenden Artikel mehr), war auch schon recht zügig mein erster „Film“ fertig :

Als Hardware kamen wie gesagt obige Actioncam (für die Fahraufnahmen) sowie die 6D samt vorhandenen Objektiven zum Einsatz. Nun hatte ich Blut geleckt 🙂

Für das nächste Video wollte ich auf jeden Fall smoothe Kamerafahrten mit einbauen, welche aber aus der Hand nur mit einer teuren Steadycam (und dann auch nur mit viel Übung) möglich sind.

Kamerawagen für DSLR und Kompaktkameras

Die Lösung fand ich in Form eines Kamerawagens samt 7 Zoll Gelenkarm, den es schon günstig fertig zu kaufen gibt – hier wäre Selbstbau für mich keine Option gewesen, da die Einzelteile (ohne Arm wohlgemerkt) auch schon das gleiche wie der fertige Wagen gekostet hätten.

Der Wagen selber ist erstaunlich gut verarbeitet, Trägerplatte, Achsen und Arm sind aus Metall gefertigt, nur wenige Teile (Feststellschraube am Arm sowie logischerweise die Räder) sind aus Kunststoff. Dem Wagen traue ich locker zu, eine normale Consumer-DSLR samt Objektiv zu tragen (wichtig hier die Balance, damit der Wagen nicht kippt).
Die Räder könnten zwar leichtgängiger sein, aber die lassen sich bei Bedarf problemlos gegen bessere tauschen – die Dinger gibt es ohne Ende im Rollerblade-Bereich

Das Einzige, was ich noch optimiert/hinzugefügt habe am Dolly (so heissen die Teile in der Fachsprache) ist eine kleine Lasche aus Alu, damit der Wagen an einem Seil o.ä. gezogen werden kann.

Ok, der Träger für die Kamera ist da, aber worauf soll er fahren?

Schienensystem für Kamerawagen im Selbstbau

Der Fußboden fällt schonmal aus, denn

  • In der Natur zu uneben (man sieht im Video jede kleine Erschütterung / Unebenheit)
  • nur bodennahe Videos möglich

Ich brauche also eine ebenen Untergrund, welcher in der Höhe verstellbar ist und mir mind. einen Meter Fahrweg ermöglicht. Sowas gibt es natürlich zu kaufen, ist mir aber mit >100 Euro zu teuer, vor allem da ich ja den Dolly schon habe und die bezahlbaren Schienensystem auf 120cm Länge limitiert sind.

Da ist wohl wieder Selbstbau angesagt.

Die erste Idee war ein handelsübliches Regalbrett (furnierte Spanplatte), welches in der Breite des Wagens einen ebenen Untergrund bietet, die variable Höhe sollen dabei zwei günstige Lichtstative (liegen hier eh nur rum) ermöglichen, welche jeweils an den Enden das Brett tragen sollen.

Die Idee mit dem Regalbrett habe ich jedoch recht schnell wieder verworfen, da das Eigengewicht einfach zu hoch ist, gerade wenn das Brett 2m lang und zusätzlich versteift (damit es nicht in der Mitte durchhängt) ist.

Die nächste Idee gefiel mir schon deutlich besser, vereinigt sie doch leichtes Gewicht und Erweiterbarkeit miteinander…..

Der Dolly rollt auf zwei L-Profilen aus Aluminum, welche an den Enden mit Buchenholz verbunden sind. Diese Endanschläge aus Buchenholz sind wiederum in der Mitte mit einem 3/8 Fotogewinde versehen, wo die Stative reingedreht werden können.

Nun wird der Leser sich die Frage stellen : Warum Buche und nicht komplett aus Aluminium ? Die Antwort liegt auf der Hand, ich kann mit meinen Möglichkeiten Holz besser bearbeiten, außerdem ist massives Alu in den benötigten Stärken (siehe Stückliste) nicht im Baumarkt zu bekommen (zumindest hier nicht). Wer jetzt denkt, Buchenholz ist zu weich, den verweise ich gerne auf mein DIY Hifi-Rack, da waren es pro Boden schon mal bis zu 30kg Gewicht, die das Holz locker getragen hat.
Ein Nachteil muss ich doch erwähnen, Buchenholz ist (wenn nicht imprägniert/lasiert) nicht wetterfest – aber wer dreht schon bei Regen Autovideos ???

Stückliste für DIY Schienensystem

Für das DIY Schienensystem braucht es nicht viele Teile, sondern nur

  • 1x Buchenprofilholz 30mm x 15mm x 1000mm
  • 1x Buchenprofilholz 40mm x 5mm x 1000mm
  • 2x Aluminiumprofil „U“ 22mm x 10mm x 1000mm, 1,5mm Wandstärke
  • 4x Schraube M6 x 50mm
  • 4x Flügelmutter M6
  • 8x Scheibe M6
  • 4x Zahnscheibe M6

Alles zusammen kostet keine 20 Euro im Baumarkt.

Die Fertigung & Montage der Endstücke ist schnell erledigt, ich denke mal, das die Zeichnungen alles weitere erklären….

PS : Die Langlöcher sind dazu da, um bei der Breiteneinstellung für den Dolly flexibel sein zu können.

Das DIY Schienensystem in der Praxis

Natürlich musste das Schienensystem samt Dolly nun zeigen, was es kann bzw ob es seinen Zweck erfüllt.

Als erstes war ich sehr mutig und montierte auf den Wagen meine Canon 6D samt 85mm 1.2L. Diese Kombi hat mal eben ein Lebendgewicht von 1,8kg(!!), erstaunlicherweise hilft der kleine Kameraarm diese Kombi ohne einzusacken.
Das hohe Gewicht zeigt sich aber ganz klar als Manko, denn für so eine Masse ist das Schienensystem einfach nicht massiv genug, so das selbst bei nur 100cm Fahrweg die Aluprofile schon merklich einige Millimeter nach unten Wandern, wenn der Wagen in Richtung Mitte des Fahrweges kommt. Dazu wackelt es auch sehr.

Für den nächsten Test wurde die Nikon S9500, welche ich nach wie vor gerne für Foto und HD Videoaufnahmen einsetze, auf den Dolly geschraubt und siehe da – die Funktion des Schienensystem ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Kamerafahrten sind problemlos möglich und ergeben den gewünschten Effekt.

Verbesserungswürdig ist aber noch die Bewegung des Dollys auf der Schiene, welche einfach noch nicht gleichmässig genug ist. Entweder muss ich noch fleißig üben, oder ich lasse mir einen kleinen Antrieb einfallen, welcher langsam den Dolly an einem Seil über die Schiene zieht.

Fazit

Ein ordentliches Ergebnis zu einem absolut konkurrenzlosen Preis – hier hat sich der Selbstbau wieder komplett bezahlt gemacht. Durch den modularen Aufbau aus Endstücken und 2x Schiene ist eine Erweiterung problemlos möglich – die Aluprofile gibt es schließlich auch in 200cm Länge 🙂

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