Speicherkarten mit Mac OSX shreddern

IMG_5545Nachdem ich mich von meinen Canon Zeugs verabschiedet hatte (siehe Artikel) und das neue System mit SD Karten arbeitet, hatte ich hier noch gute 88GByte an Compact-Flash Karten rumliegen, die ebenfalls verkauft werden sollten. Nur wie sieht es eigentlich mit dem Datenschutz aus, wenn die Karten das eigene Heim verlassen ?

Ich habe im Laufe der Jahre tausende Fotos auf die CF Karten geschrieben und natürlich sind die Karten alle formatiert – nur sind die Daten deswegen wirklich gelöscht? Nein!

In den meisten Fällen werden bei einer Formatierung nur die „Zeiger“, welche auf die entsprechenden Files deuten, gelöscht, die Daten sind nach wie vor drauf. Für moderne Undelete-Software wie zB Disk Drill (welches mir schon einmal den Hals gerettet hat) ist es leichtes, diese Daten wieder herzustellen.

Ein kleines Beispiel aus der Praxis

Ich habe hier eine 8 GB SD Karte aus meinem Fundus genommen und diese mal im Finder betrachtet. Man sieht einige Fuji RAW Files auf der Karte :

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 13.39.47

Danach habe ich nun (wie es leider oft gemacht wird) die Karte mittels des OSX Bordtools „Festplattendienstprogramm“ die Karte formatiert (Windows entsprechend gleiche Vorgehensweise). Daten weg? Ja.

NEIN!

Nach dem Formatier- bzw Löschvorgang habe ich Disk Drill angeschmissen, welches mir nach einem mehrminütigen Scan der SD Karte folgende Wiederherstellungsmöglichkeiten anzeigte :

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 14.11.49

 

Öhm, steht da wirklich, das 6,5GB(!) an Daten rekonstruiert werden konnte? Jupp!

Ok, das Programm kann ja viel erzählen, also die Wiederherstellung gestartet (der grüne RETTEN Button oben links) und mal in den Ordner geschaut, was wirklich an sensiblen Daten wiederhergestellt werden konnte (in unserem Fall die paar RAW Files von oben oder doch noch andere Files?) :

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 14.25.34 Bildschirmfoto 2015-07-30 um 14.26.17

Oh – das ist jetzt heftig. Das Programm hat nicht nur die Files vom ersten Screenshots wiederhergestellt sondern auch Fotos und Videos, die bereits schon vor längerer Zeit gelöscht worden sind inkl einigen Filmen, welche ich mit der Fuji aufgenommen hatte. Was nicht mehr stimmt ist die Bezeichnung der Dateien, aber das ist ja nun wirklich nur Makulatur.

Insgesamt wurden 155 RAW Files und 8 MOV Videos wieder hergestellt. Dazu natürlich auch unlesbarer Datenmüll, der aber bei jeder Rettungsaktion anfällt.

Nicht auszuschließen, was ein Käufer an Dokumenten wieder herstellen könnte, wenn er zB eine nur schlecht formatierte (und ehemals volle) Systemfestplatte mit 1TB Speicherplatz kaufen würde, oder ?

Die Lösung : Ein Datenshredder

Um sicher zu gehen, das die Daten von Niemanden wieder hergestellt werden können, muss der Datenträger RICHTIG gelöscht werden, d.h. ein sogenannter Datenshredder muss her.

Ein Datenshredder ist ein Programm, welches je nach Sicherheitsstufe den zu löschenden Datenträger 1x – 11x komplett mit zufälligen Daten beschreibt und so auch den besten Undelete-Programmen keinerlei Möglichkeiten der Wiederherstellung bietet.

Für die Windows-Umgebung hat sich das kleine Freeware-Tool Eraser bei mir bestens bewährt, ein Apple Mac bringt die Möglichkeit des endgültigen Löschvorganges ab Werk bereits mit, leider ist diese Funktion etwas versteckt, so das sie nicht jedem gleich ersichtlich ist (ich habe die Funktion auch lange übersehen).

Daten unwiderruflich Löschen unter Mac OSX

Die Lösung zu perfekt gelöschten Daten auf dem Mac liegt im bereits oben erwähnten „Festplattendienstprogramm“. Wie auch sonst wählt man hier das Speichermedium aus, welches gelöscht werden soll inklusive dem benötigten Format (im Falle der SD Karte FAT). Das ordentliche Schreddern der Daten muss aber noch aktiviert werden, was unter dem Button „Sicherheitsoptionen“ zu finden ist :

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 14.28.59

Mac OSX Yosemite (und wahrscheinlich auch noch 1-2 Versionen vorher) bietet nun die Möglichkeit, die Daten schnell zu löschen (das ist leider auch die Voreinstellung), was aber keinerlei Sicherheit vor Wiederherstellung bietet. Darüber hinaus bietet das Programm nun die Möglichkeit an, das die Karte mit Daten 1x bis 7x beschrieben wird.

Ich nutze immer die mittlere Stufe (dreimaliges Überschreiben der Karte), was einen sehr guten Kompromiss aus Geschwindigkeit und Sicherheit darstellt, wer mehr will lässt die Karte halt 7x überschreiben (oder führt den Löschvorgang gar 2-3x aus, was 14-21 Überschreibungsvorgängen entspricht – sehr sicher, aber es dauert!)

Nach einem Klick auf den Button „Löschen“ startet das Programm nun mit dem sicheren Löschen des Datenträgers, was ein paar Minuten bis zu Stunden dauern kann (je nach Größe und Anzahl Löschvorgängen)

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 14.38.52

Nur, sind die Daten jetzt wirklich gelöscht? Die Antwort liefert wieder Disk Drill, welches die gleiche SD-Karte wie bereits oben verwendet ein weiteres Mal nach wiederverstellbaren Dateien scannen wird. Und das was Disk Drill findet (oder besser gesagt NICHT mehr findet), sieht doch sehr gut aus :

Bildschirmfoto 2015-07-30 um 16.39.17

 

Wie man sieht, sieht man nichts – der Speicher der SD-Karte wurde zuverlässig geschreddert, eine Herstellung ist nicht mehr möglich (Forensiker und Hacker mal ausgeschlossen 😉 )

Fazit

Gebrauchte Festplatten, USB-Sticks, Speicherkarten usw. zu verkaufen ist kein Problem, wenn man sich um seine (Ex-) Daten entsprechend kümmert – und das sollte man tunlichst machen, will man seine privaten Dateien und/oder Fotos nicht irgendwann im Internet wieder finden. Dann lieber etwas mehr Zeit beim Löschen investieren und auf Nummer sicher gehen.

 

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