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Foto-Reisetip : Tutanchamun Austellung Hamburg

Du hast eine DSLR, die auch bei höheren ISOs noch rauschfreie Fotos ermöglicht? Du bist der Meinung, das Deine lichtstarke Festbrennweite mal wieder eine sinnvolle Beschäftigung braucht? Und etwas den (geschichtlichen) Horizont erweitern könnte auch nicht schaden?

Da habe ich den richtigen Tip für einen Tagesausflug, und zwar die Tutanchamun Austellung in Hamburg.

Worum geht es ?
Na klar, um Tutanchamun, bzw. um seine Grabkammer, die von Howard Carter im Tal der Könige 1922 entdeckt und 1923 geöffnet wurde. Das es sich bei dieser Wanderausstellung um Replika handelt sollte klar sein, es wird daraus auch kein Hehl gemacht (die Originale sind im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt). Diese Replika sind aber so klasse ausgearbeitet, das es schwer fällt zu glauben (vor allem wenn man es nicht weiß) das es nicht die Originale sind – das (täuschend echte) Gold, welches überall zu sehen ist glänzt so extrem, das man fast in die Versuchung kommt, es abzukratzen 😉 – Überall sieht man die vielen kleinen Details, die diese Nachbauten täuschend echt erscheinen lassen.

Die Führung
Die Führung durch die Ausstellung ist modern und flexibel gehalten – im Eingangsbereich bekommt man einen kleinen MP3 Player samt Kopfhörer. Jedes größere Exponat hat eine eigene  Nummer, welche in den  MP3 Spieler eingegeben wird – gleich darauf erklingt die passende Erklärung im Ohr. Optimalerweise lässt sich der Vortrag so oft wiederholen wie man möchte, einen zeitlich begrenzten Aufenthalt in der Ausstellung gibt es nicht. Alles Negative, was eine klassische Führung mit sich bringt (zu laut, zu leise, nuscheln, ungewohnter Dialekt etc), wird durch diese Lösung umgangen. Aber ein Nachteil bleibt : Fragen stellen kann man dem kleinen Kasten keine. Bis auf die ersten Räume, die der Reihe nach besucht werden sollten (aber nicht müssen), ist jedem der Weg durch die Ausstellung freigestellt. Auch ein Vorteil, den man bei “normalen” Führungen nicht hat.

Die Ausstellung
Den Aufbau der Führung finde ich wirklich gelungen. Die ersten drei Räume sind multimedial ausgelegt und bauen aufeinander auf.
Im ersten Raum bekommt der Besucher auf drei großen Leinwänden einen kleinen Abriss über die Zeit von Tutanchamun (wer er war, was ihn als Pharao ausgezeichnet hat etc.) erzählt. Das ganze aber nicht nüchtern und staubtrocken, sondern sehr packend und fesselnd.
Der zweite Raum handelt von der Person Howard Carter, und wie bzw. warum er nach Ägypten gekommen ist. Dieser kurze Film endet damit, das Carter das Siegel der Grabkammer öffnet und vor Ehrfurcht bei dem, was er sieht, erstarrt (“Ich sehe wunderbare Dinge”)
Im dritten Raum schließlcih wird nach und nach die Grabkammer (im Maßstab 1:1, mit Vorkammern) enthüllt – quasi wie sie Howard Carter gesehen hat. Auch hier mittels geschicktem Einsatz von Licht und Schatten super spannend umgesetzt.
Die nächsten Räume zeigen und erklären alle Gegenstände, die in der Grabkammer lagen, im Einzelnen. Das Ganze ist schön weitläufig, damit der Besucher genug Platz hat, um die Exponate von allen Seiten und aus allen Winkeln betrachten zu können.

Der fotografische Anspruch
Was mir persönlich an dieser Ausstellung gefallen hat, ist der geschickte Einsatz von Licht und Schatten. Denn im Gegensatz zum üblichen, hell erleuchteten Museum wird hier durch das Schummerlicht und die punktierte Betonung bestimmter Exponate mit Spots eine geheimnisvolle Stimmung erzeugt, welche super zur Thematik (der Graböffnung) passt. Ganz nebenbei kommt das ganze Gold in diesem Licht erst richtig zur Geltung.
Damit diese düstere, ja geradezu mystische Stimmung nicht gestört wird, ist das Blitzen (wie ich meine völlig gerechtfertigt) vom Aussteller untersagt. Ein Blitz würde auch nur die prima Ausleuchtung zerstören. Und da Blitze verboten sind, kommen hier die lichtstarken Festbrennweiten in Verbindung mit hohen ISO Einstellungen zum Tragen. Ich habe fast ausschließlich bei Blende 1.8 und ISO800 (selten weniger) fotografiert, Besitzer von tauglichen High ISO Kameras (1600-6400) sollten auch mit Blende 2.8 locker klar kommen.

Zum Abschluss natürlich noch ein paar Fotos, welche absichtlich von mir dunkel gehalten sind, um die Atmosphäre so gut es geht transportieren zu können. Alle Bilder wurden mit dem Nikkor 35mm 1:1.8 gemacht.

Fazit
Für geschichtsinteressierte Fotografen ein Muß. Ich habe schon viele Museen von innen gesehen, aber keines hat eine so dichte Atmosphäre beim Durchschreiten erzeugt wie diese Ausstellung. Von mir also ein dickes MUST-SEE!

Tutanchamun – Sein Grab und seine Schätze – Bis 14.04.2010 in Hamburg (Wanderausstellung)

Tip 1 : Ich bin mit der Familie bequem per Niedersachsenticket (DB) angereist, die Austellung befindet sich nur eine S-Bahn Haltestelle hinter dem Hauptbahnhof (Dammtor) + 5 Minuten zu Fuß
Tip 2 : Durch den großen Andrang macht es Sinn, vorher schon sog. Zeitfenster-Tickets zu kaufen, denn die ermöglichen im gewählten Zeitraum einen bevorzugten Einlass (gegenüber “normalen” Tagesbesuchern”) – außerhalb des Zeitfensters am Buchungstag gelten die Tickets natürlich auch, dann aber ohne Bevorzugung.

Bemerkung 1 : Ich wusste gar nicht, wie viele Jugendliche mittlerweile mit dem Nintendo DSi fotografieren. Verrückt – grade bei diesen Lichtverhältnissen..

Bemerkung 2 : Da ich ja ein vorsichtiger Mensch bin, habe ich mich natürlich vorher abgesichert, was die Veröffentlichung meiner Fotos auf meinem Blog betrifft. Die Freigabe kam prompt ein paar Stunden später per Email. Vorbildlich – so muss das sein.

2 Gedanken zu „Foto-Reisetip : Tutanchamun Austellung Hamburg

  1. Pingback: Foto-Reisetip : Tutanchamun Austellung Hamburg

  2. Supper Bilder und klasse Bericht !
    Es ist wirklich So wie Du schreibst . Bei mir die eindrucke wirken bis heute noch .
    Es war ein gekonnt gemachte ausstelung .

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