DIY Produktfotografie : Der StyroCube

Ich habe mittlerweile schon einige Produktfotos gemacht (meist für Ebay) und so auch ein paar Erfahrungen gesammelt.

Um ein Objekt stilvoll in Szene zu setzen, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, vom einfachen Blatt Papier angefangen bis zu einem richtigen Studio-Setup.  Das wichtigste bei der Studiofotografie ist weiches Licht. Kommerzielle Lösungen gibt es zu hauf, nämlich die sogenannten Lichtzelte* (Vorteil : Zusammenlegbar und für handwerklich ungeübte sofort einsatzbereit 😉 ).
Mehr ist aber nicht immer besser und kostet auch meistens mehr. Gibt es auch eine Möglichkeit, mit wenig Materialeinsatz schöne Produktfotos zu machen?

Klar gibt es die und mein Vorschlag ist noch nicht einmal teuer, die Einkausliste dementsprechend kuz :

  • 3 Platten weißes Styropor 100x50cm, 2cm dick
  • breites Klebeband
  • ggf Nägel 50-60mm lang
  • 1 Bogen Bastelkarton, weiß (oder in einer anderen gewünschten Farbe), DIN A2

Das alles zusammen sollte im Baumarkt keine 10€ kosten. An Werkzeugen wird nur ein scharfes Messer und eine Schere benötigt.

Bauanleitung :

Die Platten werden in der Mitte halbiert (50x50cm) und zu einem Würfel zusammengefügt. Die Nägel werden mit der Hand durch die Styroporplatten gesteckt und verbinden so wie Holzdübel die Platten miteinander. Damit es etwas mehr Haltbarkeit gibt, werden die Platten an den Schnittkanten noch mit dem breiten Klebeband verbunden.
Wem das zu wackelig ist und mehr Zeit hat, kann natürlich auch die Platten mit richtigem Styroporkleber  (oder günstiger: Holzleim – danke für den Tip @Charly) verbinden, das setzt aber einwandfreie Schnittkanten vorraus.


Schemazeichung für die Verbindung der Styroporplatten

Eine Seite des Würfels bleibt offen, von hier wird fotografiert und die Objekte platziert.

Das weiße Stück Bastelkarton bildet nun die Hohlkehle innerhalb des Würfels. Die Breite muss ggf etwas angepasst werden. Auch die Hohlkehle sollte entsprechend im StyroCube fixiert werden. Wer öfters die Hintergrundfarbe wechseln möchte, sollte den Karton aber nicht fest einkleben (Heftzwecken oder Stecknadeln erfüllen hier einen guten Zweck, müssen aber ggf. am PC weggestempelt werden)

Das war´s schon. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte euer StyroCube wie auf den Fotos aussehen. Das Teil ist nun einsatzbereit. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte euer StyroCube so aussehen:



Foto zeigt meinen Cube im Einsatz für das weiter unten gezeigte Foto

Die Anwendung vom Styrpcube :

Objekt reinstellen, Blitz(e) aufstellen und Fotos machen – mehr ist es nicht. Beim Thema Licht habe ich die besten Ergebnisse mit indirektem Licht erziehlt. Der Blitz strahlt also nicht direkt die Objekte an, sondern zeigt zur weißen Decke/Seitenteile/Rückteil. Das Licht reflektiert mehrfach und wird dann schon soft auf das Objekt von oben zurückgeworfen. Da reicht auch schon ein Blitz aus.

Für das unten gezeigte Foto vom Sigma 55-200mm habe ich nur einen alten SB-24 von Nikon bei 1/16 Leistung genutzt, welcher über Funkauslöer von Phottix gezündet wurde. Dank der hohen Lichtausbeute des Cubes (im Vergleich zu einem PopUp Lichtwürfel geht fast kein Licht verloren)  kann selbst bei so geringer Blitzleistung ordentlich gearbeitet werden. Für das Foto hatte ich Blende 13 eingestellt.

Modifikationsmöglichkeiten:

Der StyroCube bietet diverse Möglichkeiten für Änderungen. Wie schon oben erwähnt kann duch die Farbe der Hohlkehle (Bastelkarton) dem Bild ein anderer Look verpasst werden.  Auch lässt sich der Cube in der Breite nahezu verdoppeln (die Styroporplatten werden unbearbeitet verbaut). Dann ist es zwar kein Cube (sondern ein Quader)  mehr, aber die Objekte dürfen größer werden und ich kann auch ohne Probleme mehrere Blitze innerhalb des Quaders aufstellen.

Wie alles im Leben hat der StyroCube auch einen Nachteil :
Der Würfel lässt sich, einmal zusammengebaut, nicht wieder zerlegen (es sei denn man lässt das Klebeband/Styroporkleber weg).

So, viel Spaß beim nachbauen.
Ich würde mich über Feedback freuen (inkl Bildern), wie ihr euren Styrocube gebaut habt und welche Fotos dabei entstanden sind.

Blitzhardware:

Mich erreichen oft Fragen, mit welchen Mitteln man den Styrocube am besten (und relativ günstig) ausleuchten kann. Meine Empfehlung lautet (neben gebrauchten Aufsteckblitzen) hier immer der „kleine“ Aufsteckblitz Yongnuo YN460* zusammen mit einem Funkauslöser wie z.B. den von mir getestesten Phottix Strato*. Sicherlich ist der Strato nicht der günstigste Funkauslöser, aber mit der Beste vom Preis/Leistungsverhältnis her.

Sonstiges

Einen zweiten Artikel zum Styrocube habe ich hier gepostet.

Du hast Blut geleckt und möchtest jetzt „richtige“ Produktfotografie machen? Evtl. hab ich das passende Buch für Dich – schau dir einfach mal meine Rezension an.

Du willst Deine mit dem Styrocube gemachten Fotos zeigen : Klar, gern auch in der Styrocube Flickr Gruppe

NACHTRAG : Wie ich grad bei FotoTV gesehen habe, nutzt der Profi-Fotograf Guido Karp schon seit langer Zeit eine Box (Lichtkasten) auf Rollen für Personenshootings. Diese ist ca. 200 (H) x 100 (B) x 100 (B) ,zerlegbar und besteht aus Holz (MDF oder Span) und ist innen weiß lackiert (oder weiß beschichtet). Seiner Aussage nach gibt ihm die Kiste eine immer berechenbare Lichtstimmung, egal wo er sich befindet. Angeleuchtet werden die Models mit zwei Softboxen (rechteckig) von oben und unten – Eine klasse Idee wie ich finde und dazu noch günstig.

* Affiliate-Link

86 Gedanken zu “DIY Produktfotografie : Der StyroCube

  1. Bin auch lange Zeit am Herumexperimentieren mit Lichtzelten und Würfeln gewesen, neuerdings aber gänzlich davon abgekommen (Bilder werden einfach zu kontrastlos und „matschig“). Mittlerweile gibt es sehr große Rahmen mit Diffusorbespannung günstig zu kaufen. Die lassen sich mit ein paar kleinen Hilfsmitteln schnell an den vorhandenen Beleuchtungskörpern festklemmen. Im Ergebnis hat man ein härteres variabel stellbares Licht, welches durch die Größe der Diffusoren den selben Effekt hat wie ein Lichtzelt (sich also keine ungewollten unschönen Raumdetails auf dem Fotoobjekt widerspiegeln). Selbst sonst recht schwierige Uhrenfotos werden damit ein Kinderspiel…

  2. Danke Mann, u r my hero of the week.
    Habe mir gestern den Cube zusammen acrylt und habe dann heute vormittag rumexperimentiert. Funzt prima. Bin schwer begeistert. Mein Investment waren gerundet 3,00 deutsche Euro. 😉 Preiswerter geht es nicht!!!

    Danke und Gruß
    andre

  3. Pingback: Rezension : Professionelle Produktfotografie von Oliver Feld - Test Erfahrung Review | blog.sag-cheese.de

  4. Bin begeistert!!! Danke für den heißen Tipp. Geile Sache Das. Hat es auch mal jemand mit dünnerem also ich glaube das heißt transluzenterem Styropor oder so versucht ?

  5. Hallo,

    heute habe ich den Würfel nachgebaut. Zur zusätzlichen Stabilität habe ich neben den Nägeln (habe hier welche mit breitem Kopf gewählt) die Seiten noch zusätzlich mit Styroporkleber verbunden. Also: Mit Kleber fixiert, mit breiten Nägeln gesichert. Anschließend breites Panzertape über die Kanten und die Nägel, fertig.

    Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend. Es funktioniert übrigens gleichermaßen gut mit meine Studiolampe (habe direkt die Batterien leergeblitzt und musste nach Alternativen suchen 🙂

    Danke für die tolle Idee.

    Gruss,
    Sven

  6. Hi Leute!

    Ich habe mir auch einen Cube in der Größe 50cmx50cmx50cm und 4cm dicken Seitenwänden zusammengebaut.

    Leider ist mein Hintergrund nicht wie bei euch „reinweiß.“
    Hier ein Beispielbild:
    http://s14.directupload.net/file/d/3295/6esfhupf_jpg.htm

    Ich habe das Problem das die Ecken, und zu den Ecken hin, der Hintergrund nicht reinweiß ist, und ich bekomme dies nicht in den Griff.

    Liegt das am Objektiv?
    18-105er KIT Objektiv von der Nikon D7000 oder weil ein Blitz in einer Ecke eventuell nicht ausreicht? Benutze dazu den Yongnuo 560 II Speedlite mit Fernauslöser.

    Das Bild wurde mit 105er Brennweite gemacht.

    Ich verzweifle weil ich schon vieles probiert habe… 🙁

    Gazu

    • Nein, es liegt nicht am Objektiv…

      Du kannst versuchen, das Bild noch mal 1/3-2/3 Blende heller zu fotografieren. Davon ab musst du auch etwas Zeit in die Nachbearbeitung investieren 😉
      Mit welcher Blende ist das Foto entstanden? Die dunklen Ecken können auch von einer Vignettierung des Objektives bei Offenblende stammen…..

      • Hallo Daniel!

        Vielen Dank für deine Antwort.
        Ich bin mir nicht mehr ganz sicher aber die Blende war bei 5.6

        Ja in Photoshop lässt sich einiges einstellen.
        Um das „blaue“ wegzubekommen muss ich die Farbtemperatur etwas gelber stellen, die Objektivvignettierung auf ca. +20 und bei Gradationskurve, die helle Farbtöne auf +15.

        So wikt zumindest von vorne gesehen alles weiß.

        Schaut man jedoch schräg auf den Bildschirm erkennt man noch die „versteckten“ Falschausleuchtungen.

        Gruß
        Gazu

  7. Hallo Daniel,
    erst einmal vielen Dank für diese Bastelanleitung!
    Da ich keinen Blitz besitze sondern nur eine Softbox stelle ich mir nun die Frage wie ich diese am besten platziere um die besten Ergebnisse zu erhalten? Wäre es sinnvoll noch eine zweite Softbox zu kaufen, wie würde die Plazierung dann aussehen?

    MfG
    Marcel

    • Hallo Marcel,
      leider lässt sich zum Thema Beleuchtung keine allgemein gültige Aussage treffen, da sie je nach Objekt, Licht und auch Bildlook individuell platziert werden muss – hier hilft nur ausprobieren.

  8. Pingback: Eigenes Lichtzelt für Produktfotos - unchained art

  9. Pingback: Foto Lichtbox » skratter.com

  10. Pingback: Der DSLR Stammtisch - Seite 480

  11. Hallo,
    ich habe leider keine Kamera, aber ich habe ganz zufällig ein SB-24 Blitzgerät.

    Ich würde gern ein paar Bilder mit meinem iPhone schießen und das Blitzgerät für die Beleuchtung benutzen.

    • Ausprobieren, ob der SB24 im Slavemodus vom iPhone gezündet werden kann, ich weiß aber nicht, ob das gut geht – Dauerlicht wird dir da mehr helfen.

  12. Es wurde erwähnt, wenn der HG nicht ‚reinweiß‘ erscheint,
    das der Grund im Weißabgleich läge.

    Ehm, wie korrigiert Ihr denn das ‚Grauproblem‘ mit dem Weißabgleich beim knipsen?

    Ich habe mir vor einem Jahr so eine Box mit zwei ferngesteuerten Blitzen gebaut. Die Blitze ballern auf den HG hinter dem Objektiv. Ich muss nur sicher stellen, dass die Belichtungszeit lang genug ist 300ms oder so, damit ich den Blitzeffekt mit aufs Bild bekomme.
    Für den VG kann ich mir dann eine fixe und konstante Lichtsituation bauen.

    So war die Theorie und klappte ganz gut mit dem Ziel einen reinweißen HG zu erzielen und gleichzeitig teils komplizierte Sachen abzulichten, wie Stofftiere mit weißen Haaren.

    Leider kam was dazwischen im letzten Jahr und kann erst jetzt damit beginnen mich als Laie tiefer mit der Profuktfotografie aus einander zu setzen.

    Daher meine Frage, wie es mit dem Weißabgleich geht. Bei klappte das nämlich nicht.

    Danke

    • Hallo Racer,
      also den Weißabgleich kannst du mit jedem guten Programm ändern, wie genau ist mitunter unterschiedlich, hier hilft dir aber Google weiter (zB suchen nach „Weißabgleich Lightroom 5“). Am besten funktioniert das, wenn du die Fotos im RAW Format aufnimmst.

      Wenn dein HG jedoch grau ist, hat das nichts mit dem Weißabgleich zu tun sondern hängt mit der Belichtung zusammen, d.h. der HG wird nicht richtig „ausgebrannt“ – hier kann ich dir aus der Entfernung keine Tips geben, da ich weder dein Equipment noch das Setup kenne.

      PS : Über die Belichtungszeit regelst du im Blitzeinsatz an der Kamera das Umgebungslicht, die Blitzstärke wird über die gewählte Blende justiert.

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