DIY Produktfotografie : Der StyroCube

Das wichtigste bei der Studiofotografie ist weiches Licht.
Mehr ist aber nicht immer besser und kostet auch meistens mehr. Gibt es auch eine Möglichkeit, mit wenig Materialeinsatz schöne Produktfotos zu machen?

Klar gibt es die und mein Vorschlag ist noch nicht einmal teuer, die Einkausliste dementsprechend kuz :

  • 3 Platten weißes Styropor 100×50cm, 2cm dick
  • breites Klebeband
  • ggf Nägel 50-60mm lang
  • 1 Bogen Bastelkarton, weiß (oder in einer anderen gewünschten Farbe), DIN A2

Das alles zusammen sollte im Baumarkt keine 10€ kosten. An Werkzeugen wird nur ein scharfes Messer und eine Schere benötigt.

Bauanleitung :
Die Platten werden in der Mitte halbiert (50×50cm) und zu einem Würfel zusammengefügt. Die Nägel werden mit der Hand durch die Styroporplatten gesteckt und verbinden so wie Holzdübel die Platten miteinander. Damit es etwas mehr Haltbarkeit gibt, werden die Platten an den Schnittkanten noch mit dem breiten Klebeband verbunden.
Wem das zu wackelig ist und mehr Zeit hat, kann natürlich auch die Platten mit richtigem Styroporkleber  (oder günstiger: Holzleim – danke für den Tip @Charly) verbinden, das setzt aber einwandfreie Schnittkanten vorraus.

Styrocube Detailansicht der Verbindungen mit Nägeln
Schemazeichung für die Verbindung der Styroporplatten

Eine Seite des Würfels bleibt offen, von hier wird fotografiert und die Objekte platziert.

Das weiße Stück Bastelkarton bildet nun die Hohlkehle innerhalb des Würfels. Die Breite muss ggf etwas angepasst werden. Auch die Hohlkehle sollte entsprechend im StyroCube fixiert werden. Wer öfters die Hintergrundfarbe wechseln möchte, sollte den Karton aber nicht fest einkleben (Heftzwecken oder Stecknadeln erfüllen hier einen guten Zweck, müssen aber ggf. am PC weggestempelt werden)

Das war´s schon. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte euer StyroCube wie auf den Fotos aussehen. Das Teil ist nun einsatzbereit. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte euer StyroCube so aussehen:

Styrocube im Einsatz
Styrocube im Einsatz
Foto zeigt meinen Cube im Einsatz für das weiter unten gezeigte Foto

Die Anwendung:
Objekt reinstellen, Blitz(e) aufstellen und Fotos machen – mehr ist es nicht. Beim Thema Licht habe ich die besten Ergebnisse mit indirektem Licht erziehlt. Der Blitz strahlt also nicht direkt die Objekte an, sondern zeigt zur weißen Decke/Seitenteile/Rückteil. Das Licht reflektiert mehrfach und wird dann schon soft auf das Objekt von oben zurückgeworfen. Da reicht auch schon ein Blitz aus.

Für das unten gezeigte Foto vom Sigma 55-200mm habe ich nur einen alten SB-24 von Nikon bei 1/16 Leistung genutzt, welcher über Funkauslöer von Phottix gezündet wurde. Dank der hohen Lichtausbeute des Cubes (im Vergleich zu einem PopUp Lichtwürfel geht fast kein Licht verloren)  kann selbst bei so geringer Blitzleistung ordentlich gearbeitet werden. Für das Foto hatte ich Blende 13 eingestellt.

sigma-55-200

Modifikationsmöglichkeiten:
Der StyroCube bietet diverse Möglichkeiten für Änderungen. Wie schon oben erwähnt kann duch die Farbe der Hohlkehle (Bastelkarton) dem Bild ein anderer Look verpasst werden.  Auch lässt sich der Cube in der Breite nahezu verdoppeln (die Styroporplatten werden unbearbeitet verbaut). Dann ist es zwar kein Cube (sondern ein Quader)  mehr, aber die Objekte dürfen größer werden und ich kann auch ohne Probleme mehrere Blitze innerhalb des Quaders aufstellen.

Wie alles im Leben hat der StyroCube auch einen Nachteil :
Der Würfel lässt sich, einmal zusammengebaut, nicht wieder zerlegen (es sei denn man lässt das Klebeband/Styroporkleber weg).

So, viel Spaß beim nachbauen.
Ich würde mich über Feedback freuen (inkl Bildern), wie ihr euren Styrocube gebaut habt und welche Fotos dabei entstanden sind.

NACHTRAG : Wie ich grad bei FotoTV gesehen habe, nutzt der Profi-Fotograf Guido Karp schon seid langer Zeit eine Box (Lichtkasten) auf Rollen für Personenshootings. Diese ist ca. 200 (H) x 100 (B) x 100 (B) ,zerlegbar und besteht aus Holz (MDF oder Span) und ist innen weiß lackiert (oder weiß beschichtet). Seiner Aussage nach gibt ihm die Kiste eine immer berechenbare Lichtstimmung, egal wo er sich befindet. Angeleuchtet werden die Models mit zwei Softboxen (rechteckig) von oben und unten – Eine klasse Idee wie ich finde und dazu noch günstig.

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25 Kommentare Eigenen schreiben

  1. Das ist wirklich sehr interessant und wäre sicher mal ein Überlegung wert, sowas auch mal in größer zu bauen. Ich hatte mir vor einiger Zeit ein Fotozelt gekauft, womit das auch sehr gut funktioniert.

  2. Klasse Idee und Anleitung. Du hattest mich ja schoneinmal darauf hingewiesen und ich glaube nach dieser tollen Anleitung werde ich mir auch so einen Cube erstellen.

    • @Yvonne : Ja, die Fotozelte haben den Vorteil, das sie zusammengelegt werden können. Dafür geht durch den diffusen Stoff viel Licht verloren. Beim StyroCube ist es genau andersrum. Fast keine Lichtverluste, aber nicht so ohne weiteres zerlegbar

      @Bernd : Danke. Bau dir so ein Cube mal. Auch wenn es etwas “ungewohnt” daherkommt, die Ergebnisse stimmen und der Materialaufwand beim Setup ist minimal, da du ja die Reflektoren gleich mit integriert hast. Natürlich kann man noch zusätzlich mit schwarzem Karton als Abschatter arbeiten.

  3. So habe mir nun so einen Cube gebaut und bin begeistert. Er ist zwar leider etwas wackelig, vermutlich weil ich zu dünne Styroporplatten genommen habe, aber er erfüllt seinen Zweck :-)

    Danke nochmals für die tolle Anleitung!

    • @Bernd : Das freut mich. Wär schon, wenn du noch die Ergebnisse zeigen könntest (gern hier als Link in den Kommentaren).
      Viel Spaß weiterhin mit der Produktfotografie :)

  4. Habe noch nicht soviel gemacht, aber es wird demnächst bestimmt mehr folgen und eine Gallerie dazu geben :-)

    http://www.bhoffmeier.de/2010/03/diy-fototisch-bzw-styrocube/

  5. Bekommst du damit eigentlich auch komplettes weiß hin sodass man es mit dem Zauberstab einfach maskieren kann? Das wäre noch das letzte Quentchen Perfektion, man könnte sich dann bei Firmen/Shop um eine Stelle als Produktfotograf für einen Onlineshop bemühen. :-)

    • @Hannes : Das kannst du ja steuern. Wenn du ein (zum Hintergrund) konstrastreiches Objekt hast, kannst du auch die Blende öffnen/den Blitz mehr Power geben. Wenn du die Spitzlichtkontrolle auf der Kamera betrachstet, ist das Objekt schon zu 95% freigestellt. Den Rest kannst mit dem Zauberstab maskieren.
      Problematisch könnte es in meinem Beispielbild bei der Streulichtblende zu den Seiten hin werden. Alternativ kann ich dir die EBV Methode zum Freistellen aus Robert Kneschkes Buch (Zauberstab, Kante verbessern, Schwellwert ändern) empfehlen. Klappt wunderbar :)

  6. Siggi Strubinski #

    Hi!
    Ich nutze den Styrocube schon seit längerer Zeit, allerdings als Quader mit doppelter Höhe.
    Hier gibt es einige Aufnahmen von mir:
    http://www.flickr.com/photos/siggistrubinski/sets/72157623706409720/

    bye

    • @Siggi : Na das schaut doch gut aus. Das schöne an den StyroporPlatten ist ja, das man auf ein Maß nicht festgelegt ist. Theoretisch könnte man aus mehrere Platten auch 1×1x1m Cube bauen (dann mit stärkeren Blitzen).

  7. Frank #

    Statt des Styropors lässt sich auch ein großer
    Kunstoffkasten(transparent,Baumarkt) nehmen. Weisse
    Platten oder Karton von oben und an den Seiten aussen
    davor und alles incl. Blitzen kann darin bei Nichtbenutzung verpackt werden.

    • @Frank : Ja, aber es ist auch eine recht wackelige Angelegenheit und dir geht Licht flöten. Was auch funktionieren würde sind weiß furnierte Spanplatten, welche mit Lamellos/Holzdübeln (trocken) zusammengesteckt werden. Oder aber ein kleiner Schrank in weiß ohne Schubladen – lässt sich auch zerlegen

  8. Das Ding ist ja Klasse!

  9. Vielen Dank für die Idee. Werde das demnächst mal umsetzen, so ein paar Platten habe ich auch noch irgendwo rum liegen.
    Klasse Idee.

    Besten Dank und Grüzze
    Markus

  10. Kay #

    Super Idee und Anleitung.
    Dann werde ich mich mal an den Bau des StyroCube machen.

    Besten Dank
    Kay

  11. Kann mich nur anschließen, super Idee, echt simpel, dennoch mit einem klasse Ergebnis. Werde ich auch auf jeden Fall umsetzen.

    Gruß
    Andreas

  12. Gute Idee, das werde ich auch einmal ausprobieren. Ich habe mir einmal ein “Mini-Studio” aus einem Pappkarton gebaut, wie es David Hobby im Strobist Blog vorschlägt. Hier habe ich darüber geschrieben: http://mediakirsch.de/mkblog/2009/12/cat-in-a-box/ . Mittlerweile habe ich einen zweiten Blitz, damit wird das Licht noch gleichmäßiger.

    Grüße
    Matthias

  13. So, hab jetzt mir auch mal den Cube gebaut und bin begeistert. Für ein paar Cent hat man da ein echt geiles Gadget. Danke für den Hinweis!

    • Daniel | sag-cheese.de #

      Immer gerne wieder. Wenn ich mir die Visits des Artikels anschaue, scheint es ja schon einige Nachbauten zu geben :)

  14. Hallo Daniel,

    tolle Sache!
    Meinen Nachbau findet Ihr unter http://bgoll.de/2010/06/produktfotografie-fur-funf-euro-mit-dem-styrocube/

    Danke für’s “Idee teilen”! :-)

    Viele Grüße

    Beni

  15. Charly #

    Anstatt teurem Styroporkleber tut es auch ein ganz normaler Holzleim. Damit kann man wunderbar Styropor kleben (Kannst ja als Tipp in Deine Anleitung aufnehmen)…

    • Daniel | sag-cheese.de #

      Na wenn das hält werde ich das glatt machen… ;)

  16. Klasse Idee und Anleitung Daniel.
    Mal schauen ob ich die Zeit finde mir so etwas auch einmal zu bauen.
    Brauchen tu ich es ja noch nicht ;)

    • Daniel | sag-cheese.de #

      Naja, Zeit…. 10 Minuten und das Ding steht – da gibts eigentlich keine Ausrede ;)

  17. Daniel | sag-cheese.de #

    Makrofotografie im Styrocube – Eine gute Idee und macht mit dem diffusen Licht natürlich Sinn.

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