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Warum mehr nicht immer besser ist…

Der Systemwechsel ist vollzogen, ich bin jetzt stolzer Besitzer einer Vollformat Kamera und einer lichtstarken 50mm Festbrennweite.

Schon einmal eine gute Basis… Nur was kommt als nächstes? Ein 1.8 85er ? Oder ein Zoom für Obenrum (70-200mm)? Oder ein Standardzoom mit Weitwinkel (18-50mm oder ähnlich). Die Antwort ist einfach. In den nächsten Wochen (oder Monaten) kommt erst mal…. Nichts!

Was soll das denn jetzt?

Bei der Nikon hatte ich wirklich mehr als genug Objektive, mit denen man fotografisch verdammt viel anstellen konnte (Makros im Abbildungsmaßstab 1:1, 180° Fisheye Fotos, etc…) – Der Brennweitenbereich von 8mm bis 200mm war fast lückenlos vorhanden und teilweise mehrfach abgedeckt. Eigentlich hätte ich damit glücklich werden können…Eigentlich.
Aber das Gegenteil wurde immer mehr der Fall.

  • Wie viel Zeit verschwendete ich damit, zu überlegen, welches Objektiv ich für welches Foto nehmen sollte/möchte/müsste? Mach ich das Portrait mit dem 100mm Makroobjektiv oder mit dem 55-200 oder doch mit dem 18-70?
  • Wie viele Gedanken verschwendete ich darauf zu überlegen, wie die Lichtverhältnisse sind? Wie lange wird das Shooting dauern, reicht die Lichtstärke? ….
  • Dazu kamen Gedanken wie die Freistellung, der gewünschte Bildausschnitt (Weitwinkel oder nicht? Oder besser doch?)

Diese ganzen Gedankengänge kosteten viel Zeit. Zeit die ich anders hätte besser einsetzen können – z.B. für eine umfangreiche Nachbearbeitung. Oder….

ZUM FOTOGRAFIEREN!

Denn genau da sehe ich den Knackpunkt und momentan eine (besser -meine) persönliche Sackgasse:
Ich beherrsche die Technik soweit es geht nahezu einwandfrei (zumindest, was die D200 + Objektive betraf) aber ich habe mir auch einfach ZU VIELE Gedanken über die Technik gemacht (und das nicht nur vor dem Fotografieren, sondern auch währenddessen).
Diese Überlegungen hatte ich schon, als ich noch Besitzer der Nikon D200 war – da kam der Systemwechsel grad richtig Und um fast alle dieser Faktoren auszumerzen und mich wieder auf das Wichtige bei der Fotografie zu beschränken, habe ich mich absichtlich auf ein Objektiv beschränkt. Aus diesen Gedanken heraus habe ich natürlich das 50mm sehr bedacht ausgewählt, denn DAS EINE Objektiv sollte möglichst flexibel sein – es führte also kein Weg an dem 50mm vorbei. Das die 5D in der Ausstattung eher puristisch daher kommt, begünstigt mein Vorhaben umso mehr.

Was erhoffe ich mir dadurch?
Ich möchte (nein, ich will) den Fokus von dem Technik Brimborium endlich wieder dahin lenken, wo er hingehört – zum eigentlichen Foto und alles, was ein gutes Foto ausmacht. Ich möchte mir wieder Gedanken machen (bzw. den Kopf frei haben), welchen Ausschnitt ich haben will und diesen mittels ein paar Schritten zu Fuß (anstatt per Zoom) „einstellen“. Kein Gedanke mehr über das passende Objektiv, denn es gibt nur eins, welches ich zur Verfügung habe. Wie nutze ich gezielt Unschärfe (von der ich ja nun massenweise zur Verfügung habe). Wie kann ich die Location optimal für mich nutzen?

Desweiteren erhoffe ich, das ich flexibler und auch kreativer werde und auch mal mehr ausprobiere/improvisiere – Beispiel : Es gibt etwas, was ich fotografieren möchte, aber mir fehlt die 200mm Brennweite? Wie kann ich es auch mit 50mm einfangen? Näher rangehen oder vielleicht die Umgebung mehr mit einbeziehen?
Praktisch das, was man bei der Bundeswehr „Leben in der Lage“ nennt, nur halt im fotografischem Sinne 😉

Auch nicht unwichtig : Öfters mal die Kamera zu Hause lassen und die Umgebung bewusster wahrnehmen. Keine gehetzten Shootings mehr und auch keinerlei Druck auf sich selber ausüben. Versuchen, während einer Fotosession einen eigenen „Flow“ zu finden und auf diesem mitzuschwimmen.

Das Internet ist voll mit Fotos, die ich persönlich super klasse finde und wo ich mich frage, warum ich nicht selbst drauf gekommen bin bzw. die Fotos mich ermutigen, mal mehr (und Neues) zu wagen. Ruhig mal weg vom techn. perfekten Bild, hin zum experimentellen Austesten der Möglichkeiten –  denn hier setzt der kreative Prozess ein, der erst ungewöhnliche Sichtweisen, Bildkompositionen und Betrachtungswinkel ermöglicht.

Zusammenfassend standen die letzten 1,5 Jahre für das Ansammeln von nötigem Wissen und erlernen der Technik. Die nächsten Monate stehen jetzt kompl. Im Focus der kreativen Selbstfindung und Verbesserung der eigenen Sichtweisen.

0 Gedanken zu „Warum mehr nicht immer besser ist…

  1. Hm… wirds jetzt ein 50×50 Projekt? (50 Bilder mit 50mm?)

    50mm am VF finde ich bisschen kurz, aber für Reportage wirds sicherlich reichen. Ist es jetzt doch das 50/1.8 geworden – warum nicht das 1.4er?

    • @Hannes : Bis jetzt – ja, sehr. Eine klasse Linse, schnell und sehr sehr scharf. Nur die fehlende GeLi nervt (Mehrkosten). 50mm stellt an Vollformat den besten Kompromiss dar (Wie 35mm am Crop). Für Innen und Außen zu gebrauchen, man kann damit auch Portraits machen (auch wenn man dem Model schon recht nahe kommt), dazu richtig gut lichtstark.
      Achja, 50×50 übt wieder eine Art Druck aus, denn man “muss” ja jeden Tag fotografieren. Diesen Zwang will ich mir erstmal nicht auferlegen.

  2. Ich muß dir da wirklich vollkommen recht geben, ich denke ich werde mir in den nächsten Tagen auch mal wieder mehr Zeit zum fotografieren nehmen und mich auf das wesentliche beschränken.

  3. Ich mache das – fast – genau so. In 98% der Fälle habe ich nur ein Objektiv dabei.

    Allerdings – je nach Situation – ein Anderes.

    95% der Zeit benutze ich das 24-105 – leider kann ich bei Architekturaufnahmen oder einfach Urlaubsfotos häufig nicht beliebig weit vom Objekt weg gehen.

    Das 50mm 1.4 ist jedenfalls eine gute Wahl – für das was Du vorhast, für LowLight Aufnahmen und zum Freistellen ist es natürlich auch sehr gut.

    • @Armin : Ja, meiner Meinung nach der beste Kompromiss, wenn man sich nur auf 1 Objektiv beschränkt. Das 35mm wäre schon zu weit und das klasse 85mm zu Nah für den Innenraum. Aber ich könnte mir vorstellen, das das 1.8 85mm dann das nächste Objektiv wird 😉

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